Treffen in Frankreich vom 22.-27. September 2013

Gruppenbild FrankreichDas letzte Treffen im Rahmen der Leonardo da Vinci Partnerschaft „Förderung der beruflichen Handlungskompetenz für Pferdewirte und Tierwirte“ zum Studium der Wildpferderassen führte die Auszubildenden und ihre Begleitpersonen nach Südfrankreich in die Camargue.
Alle Teilnehmer hatten einen sehr langen Anfahrtsweg, der es zum Teil notwendig machte, einen Tag bzw. zwei Tage für die An- und Abreise einzuplanen.

ArlesDie deutsche Delegation nutze die Anreise, um in Arles einen Zwischenstopp
einzulegen, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden. Das Gelbe Haus, in dem Vincent van Gogh gelebt hat und den Blick auf einige Plätze, die er in seinen weltberühmten Bildern verewigt hat, bleiben dabei in beeindruckender Erinnerung. 

Nach der Weiterfahrt nach Saintes Maries de la Mer wurden dort alle Delegation von den Gastgebern herzlich empfangen. Beim gemeinsamen Abendessen in einem der zahlreichen Restaurants in Saintes Maries de la Mer konnten sich die Teilnehmer beim Lösen eines „Euro-Horse - Quiz“ kennenlernen. 

Abendessen Frankreich

Die Camargue - Pferde wachsen wild auf und werden auch als ausgewachsene Tiere „halbwild“ gehalten, aber dennoch vom Menschen, überwiegend als Reitpferd, genutzt. Deshalb wurden sowohl die Verhaltensweisen dieser Pferde in freier Wildbahn beobachtet und dokumentiert, als auch die Nutzung dieser Pferderasse studiert. 

 

Stierhüter CamargueDazu besuchten wir am ersten Tag des Treffens den Stierzuchtbetrieb „Manade Chapelle - Burgeas“. Dort konnten wir den Einsatz der Camargue-Pferde beim Hüten einer Stierherde erlebten. Zur eigenen Sicherheit wurden wir per Traktor und Anhänger in das weitläufige Gelände transportiert. Die „Gardians“ (Stierhüter) demonstrierten das Treiben einer Stierherde sowie das Abtrennen eines Kalbes von der Herde, um es mit einem Brandzeichen zu versehen. Neben dem Brandzeichen dient ein Einschnitt im Ohr zur Kennzeichnung der Tiere. 

Im Naturschutzgebiet „Le Domaine de la Palissade“ können sich die Camargue-Pferde frei bewegen und im Herdenverband leben. Bevor die Herden beobachtet wurden, wurden uns von einem dort zuständigen Pferdefachmann die Rassemerkmale und die Bedeutung der Brandzeichen des Camargue-Pferdes am lebenden Beispiel erklärt. Die Wanderung in das Naturschutzgebiet zu den Herden gab einen Eindruck vom Nahrungsangebot für die Tiere. Es handelt sich hierbei vor allem um Salicorne (Salzhörner) oder „Enganos“, die zur Gattung der Fettpflanzen gehören und voller Salzwasser sind. Auch an das natürlich vorhandene salzhaltige Trinkwasser haben sich Pferde angepasst.

Naturschutzgebiet Reitschule

Am zweiten Tag machten sich die Teilnehmer auf, um im Reitzentrum „La Grenouillère“ einen Ausritt mit den Camargue-Pferden zu machen. Erweitert war der Besuch dort mit Theorie zur Sattelkunde und zur Zucht der Pferderasse. Dazu wurde die Teilnehmergruppe jeweils in drei Untergruppen eingeteilt und im Wechsel in Theorie und Praxis belehrt. 

Nachmittags besuchten wir die Arena in Saintes Maries de la Mer, um einen Stierkampf auf südfranzösische Art zu erleben. Der „Courses camarguaises“ ist ein unblutiger Kampf zwischen einem Stier und einer Vielzahl von „Razeteurs“ (Stierkämpfer) in der Arena. Die „Razeteurs“ versuchen mit Hilfe eines Kamms, der auf die Hand gesteckt wird, dem Stier Auszeichnungen (bunte Kordeln und Quasten) von den Hörnern zu nehmen. Dabei werden die „Razeteurs“ vom Stier durch die Arena gejagt und die weiß gekleideten jungen Männer können sich oft nur noch mit einem Sprung über die Bande retten. Es ist ein eher sportlicher Wettkampf zwischen Tier und Mensch, bei dem auch der Stier als Sieger vom Platz gehen kann und bisweilen auch über die Bande springt. 

RazateurKirche

Abgeschlossen wurde der Tag durch den obligatorisch Rundgang auf dem begehbaren Dach der Wallfahrtskirche in Saintes-Maries-de-la-Mer, die zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert gebaut wurde. Der Blick schweifte über die rot-violett gefärbte, flache Landschaft, die Stadt selber und das Meer.

Den dritten und letzten Tag des Treffens verbrachten wir mit einem Besuch in einem Reismuseum. Die Camargue ist eines von nur drei Reisanbaugebieten in Europa und die Auszubildenden erhielten einen Überblick über die Technik des Reisanbaus früher und heute und die Verarbeitung der Reiskörner. Das Kulturprogramm schloss mit einer Bootsfahrt auf der „Petite Rhone“, die noch einmal den Blick über Pferde- und Stierherden am Ufer, das typische Nahrungsangebot für die Tiere und endlose Reisfelder freigab. Alle Ländereien links und rechts des Ufers dienen zur Aufzucht von Camargue-Stieren und –Pferden. Stiere und Pferde gehören in der Camargue zusammen. Hier leben die Tiere das ganze Jahr im Freien.

ReismuseumKleine Rhone

Das Treffen bot den Teilnehmern einen umfassenden Eindruck vom Leben der Camarguepferde und die Auszubildenden hatten ein weiteres Mal die Möglichkeit, neben der Fachkompetenz, ihre Kommunikationsfähigkeit und ihre sozialen Kompetenzen zu erweitern.

Alle vier Partnerländer werden sich im Frühjahr 2014 in Deutschland wieder treffen, um sich mit verschiedenen Haltungssystemen für Pferde intensiv zu befassen, nachdem die Verhaltensweisen von wild lebenden Pferden nun bekannt sind und Kriterien zur artgerechten Pferdehaltung erarbeitet wurden. 

 

6.Oktober 2013